Fender und Squier Made in Japan

Elektronisches wird im Werk nur soweit gefertigt, als es die Tonabnehmer betrifft. PU‘ s für die Vintage - Modelle kommen aus den USA und die Humbucker für die Contemporary Stratocaster Deluxe (System II Vibrato) als Sonderanfertigung von Schaller aus Deutschland.
Jeden Monat verlassen 15‘000 bis 16‘000 Gitarren das Werk. 12‘000 davon werden dort gefertigt, mit den Test werden andere Firmen beauftragt. So stammt zum Beispiel so mancher Hals und Pickguard einer japanischen Fender aus dem Hause Atlansia. Die Instrumente haben durch ihr aussergewöhnliches Design schon auf der Frankfurter Messe für Aufsehen gesorgt. Die Endkontrolle findet aber hier bei Fujigen statt. Man versicherte mir, dass nur die Instrumente und Teile die dem Standard der Werksprodukte entsprechen, diese Kontrolle passieren.

Humbucker Armee Bei der Führung vermisste ich die Produktionsstätte für Akustik – Gitarren. Nachdem man damit 1981 jeden Monat durchschnittlich 40‘000 DM Verlust machte, hatte man beschlossen, die Herstellung einzustellen. Eigentlich bedauerlich den deren Qualität erregte sowohl das Aufsehen der Musiker als auch von Martin, einem der führenden Hersteller von Folk – Gitarren. Das Fusionsangebot lehnte Yokouchi Senior dankend ab. Inzwischen ist der Betrieb mit 200 Beschäftigten dem oberen Mittelstand zuzuordnen. Dem gegenüber steht aber ein Umsatzvolumen von 53 Millionen DM jährlich. Davon werden 80% allein aus dem Export erzielt. Die Anfänge sahen dagegen bescheiden aus und liessen eine solche Entwicklung eigentlich nicht vermuten.

Wäre die Firmengeschichte Fujigens schon früher im Westen publik geworden, so hätte sie vielleicht den Begriff des „Kuhstall – makers“ geprägt. Nicht Vierrädriges wie bei „garage – maker“ Charvel und Apple – Computer musste dem Unternehmergeist weichen, sondern Hornvieh. Zum einem geschah dies aus Platzgründen, zum anderen, damit der Besitzer, Yuichiro Yuikouchi mit dem Verkaufserlös seinen Beitrag zu der mit seinem Freund Yutaka Mimura im May 1960 gegründeten Aktiengesellschaft Fujigengakki leisten konnte.

Mimura als Direktor und Yokouchi als Geschäftsführer widmeten sich mit einem Mitarbeiterstab von 10 Leuten erst einmal dem Bau von Violinen. Den Zeichen der Zeit Rechnung zu tragend wechselte man aber schon 2 Monate später zum Gitarrenbau über. Mit der ersten Lieferung hatte man aber nicht viel Glück: Sie kam per Lastwagen zurück. In dem Schreiben des Abnehmers in Tokyo hiess es: „Bei sämtlichen Gitarren ihrer werten Firma sind Do Re Mi Fa unterschiedlich. Sowas ist keine Gitarre.“ Die Positionen der Bundstäbchen stimmten leider überhaupt nicht. Wie konnte das passieren? Yokouchi, von Haus aus Landwirt, und seine Mitarbeiter hatten nie gelernt, Instrumente zu spielen. Mit dem festen Vorsatz es nie wieder zu einem solchen Desaster kommen zu lassen, verbrannte man alle 1000 Gitarren. Ein Universitätsprofessor wurde verpflichtet, der die ganze Mannschaft erst einmal über die Grundbegriffe der Musiktheorie, wie zum Beispiel Tonleitern, aufklärte. Im Dezember des Gründungsjahres war man soweit, verkaufsreife klassische Gitarren fertigen konnte. Schon im darauf folgenden Jahr zog man 200 Meter weiter in ein neues Fabrikgebäude und erreichte eine Tagesproduktion von 30 Stück. Zehn der leitenden Angestellten wechselten zu der in Tokyo neu gegründeten Teisco AG über.

Fender Gitarren Tradition und Meinungen

Viele Gitarristen sind zu sehr von der Tradition der meist amerikanischen Unternehmen geprägt und auch zu einem gewissen Mass überzeugt, ohne die Sache zu hinterfragen. Selbst wenn es da zu oft nur um Sammlerwesen und Nostalgie, oder ganz hart formuliert, manchmal auch um Haarspalterei, Besserwisserei oder um das nicht Zugeben wollen geht, dass es noch andere Fender Top-Gitarren geben würde als die Amerikanischen. Man weiss dadurch auch nicht, was man verpasst ...

Die Gitarrenwelt ist heute mit Sicherheit nicht mehr so, wie sie einmal war, darum will ich mit den alten Fender MIJ Gitarren einen neuen Teil dazu beitragen, den alten Sound neu aufleben zu lassen, vielleicht sogar neu daran erinnern, was Innovation, Qualität und Preis-Leistung heissen kann im Gitarrenbau. So wie es Leo Fender wollte und praktizierte, genau so praktizierte es Fujigen mit Fender Japan in den 80er Jahren.

Einfach weil wir es dazumal verpasst haben, weil wir die Nase gerümpft haben als die japanischen Top Gitarren auf den Markt kamen, will ich ein Zeichen setzen für Fender Made in Japan. René

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